Reportagen

Schwarzmarkt für Hilfsmittel boomt im belagerten Homs

Von Yarub Dali und Justin Clark

HOMS: Schmuggler und Opportunisten verkaufen Hilfsgüter auf dem Schwarzmarkt im von der Opposition kontrollierten Teil von Homs. Währenddessen gibt es in den Landesteilen, die das Regime kontrolliert, einen Überfluss. Das berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds (SARH), der im belagerten nördlichen Teil der Region wohnt, im Gespräch mit Syrian Voice.

Die vom Rest der Provinz abgeschnittenen Enklaven in dieser Gegend sind angewiesen auf die unregelmäßigen Lieferungen von Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Gütern des täglichen Bedarfs.

Wie bei allen anderen belagerten Rebellengebieten benötigen die Hilfsorganisationen die Erlaubnis der Regierung in Damaskus. Doch die gibt selten ihr Einverständnis; und wenn die Lastwagen dann doch ankommen, fehlen häufig wesentliche Güter wie Milchpulver und tierisches Protein. Tatsächlich aber erreichen manche Hilfsgüter die belagerten Gegenden trotzdem – für einen hohen Preis.

Hamdan as-Saleh, Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts in Rastan im Norden der Provinz, füllt seine Regale regelmäßig mit geschmuggelten Hilfsgütern, auf denen das UN-Etikett „unverkäuflich“ prangt.

Im Gespräch mit Syrian Voice erklärt er, dass dem Regime verbundene Bewohner „den Überfluss an Hilfsgütern“ nicht brauchen und deshalb die Mittel des SARH häufig an Schmuggler verkaufen.

Diese Männer bezahlen Schwarzgeld an den Checkpoints des Regimes und der Rebellen, um in die belagerten Gebiete zu gelangen. Dort verkaufen sie die unverkäuflichen Hilfsgüter mit hohem Gewinn.

Abdulah Biraqdar ist ein ehemaliger SARH-Mitarbeiter, der mit der Versorgung von Homs beschäftigt war, bevor er vom Regime beschuldigt wurde, „mit den Rebellen zusammenzuarbeiten“. Er ist nach Deutschland geflohen. Es gäbe ehemalige Kollegen, die entscheiden, wer für SARH arbeitet, wohin die Lieferungen gehen. Sie schicken oft übermäßig viele Güter in Gegenden, wo sie nicht gebraucht werden, sagt er.

Biraqdar erklärt im Gespräch mit Syrian Voice: „Der Rote Halbmond verteilt jeden Monat Hilfsgüter in der Stadt selbst, so wie im Westen und Süden der Provinz – Gegenden, die nicht bombardiert werden und in denen die Infrastruktur noch ziemlich intakt ist.“ Die Syrer in den Regierungsgegenden hätten „ein relativ stabiles Leben“, sagt er. Die Waren hätten hier verhältnismäßig faire Preise, im Gegensatz zu den belagerten Rebellengebieten.

Für die Syrer mit einem festen Job, insbesondere Regierungsbeamte, sei der Verkauf von Hilfsgütern eine Möglichkeit, ihr Gehalt aufzubessern, während die Inflation das Leben immer teurer macht.

Syrian Voice konfrontierte SARH-Offizielle in Damaskus und Homs mit diesen Anschuldigungen. Eine Antwort gab es nicht.

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