Übersetzung: Thore Schröder

Die ersten positiven Veränderungen sind schon spürbar im Zorga-Flüchtlingscamp in Jarablus, im Osten der Provinz Aleppo und unter Verwaltung der syrischen Opposition. Gerade wurde eine Grundschule eröffnet, bereits Anfang Januar außerdem eine medizinische Versorgungseinrichtung.

Die Schule für rund 1100 Schüler wird von der örtlichen Bildungsbehörde betrieben, die wiederum unter Kontrolle des Lokalrats von Jarablus steht. Die Schüler bekamen am ersten Tag Schreibmaterialien und Bücher, berichtet Abd al-Latif Mohammed, der in der Behörde arbeitet, im Gespräch mit „The Syrian Voice“.

Zunächst werden in der Schule 23 Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt sein; jeder von ihnen bekommt ein Gehalt von rund 500 Türkischen Lira (umgerechnet etwa 120 Euro), was dem Lohn anderer Lehrer in der Stadt entspricht. Die türkische Regierung garantiert die Zahlungen. Die Schule hält sich an den Lehrplan, den das Bildungsministerium der syrischen Übergangsregierung vorgibt und der auch an anderen Schulen der Region maßgeblich ist.

Laut Herrn Mohammad sollen bald zwei weiterführende Schulen eröffnet werden, dazu weitere innerhalb von Jarablus und in der Umgebung. Bisher herrscht großer Mangel an Bildungseinrichtungen.

Das verrufene Zogra Camp soll nun auch von der Eröffnung des medizinischen Versorgungszentrums profitieren, die vom Stabilisierungskommittee der freien Provinz Aleppo umgesetzt wurde. Die Bürger leiden bisher besonders unter dem Mangel an Ärzten und medizinischer Hilfe.

Doktor Abdullah, Direktor des Stabilisierungskommittees, erklärt, dass „das Versorgungszentrum mobil ist, mit moderner Ausrüstung ausgestattet und spezialisiert in drei Bereichen: Frauen- und Kinderheilkunde sowie innere Medizin.“

Mit der verbesserten Gesundheitsversorgung und neuen Bildungseinrichtungen soll die Lebensqualität im Camp gehoben werden, auch wenn es reichlich spät dafür ist. Zuvor hatten sich einige Syrer aus dem Homser Bezirk al-Waer bereits dafür entschieden, in ihre Heimat zurückzukehren; nachdem vorher ein Kompromiss mit dem Regime ausgehandelt worden war.

Hassan al-Baqi, der aus Homs kommt und in Zogra lebt, erklärte gegenüber „The Syrian Voice“, dass die Neuerungen die Lebensqualität tatsächlich verbessern, auch wenn sie spät kommen und nicht allen helfen. Tatsächlich seien schon vorher viele Menschen nach Al-Waer zurückgekehrt, aber darüber hätten die Medien nicht berichtet.

Laut al-Baqi fehlt es im Camp weiterhin an medizinischer Ausrüstung, vor allem einer Apotheke und kostenloser Medizin. „Es gibt weitere Dienstleistungen, die die Menschen brauchen und nicht bekommen, darunter bessere sanitäre Anlagen und der Bau einer Kanalisation.“ Derzeit verrichteten manche Bewohner ihr Geschäft noch über offenen Gräben, das führe insbesondere im Sommer zu Krankheiten und Epidemien.

In der Stadt Jarablus und Umgebung wurden bereits dutzende von Fällen vergifteter Kinder festgestellt, die meisten in Flüchtlingslagern, ausgelöst durch unsauberes Trinkwasser.

Das Zogra-Camp wurde im März letzten Jahres eröffnet und hat mittlerweile 10.000 Einwohner, die meisten kommen aus al-Waer. Hier sollten vor allem Binnenflüchtlinge untergebracht werden, nachdem zuvor ein Deal ausgehandelt worden war zwischen dem Regime und der Opposition, unter russischer Vermittlung. Demzufolge sollte diejenigen, die wollten, das Stadtviertel verlassen, für die übrigen sollte sich die Lage dort verbessern.

Zorga