Von Yarub Dali und Justin Clark (Übersetzung: Thore Schröder)

HOMS: Durch die jahrelangen Kämpfe und Bombardierungen sind 80 Prozent der Häuser und Wohnungen im ländlichen Teil der Provinz Homs zerstört. Hier, im von den Rebellen kontrollierten Gebiet, sind die Mieten kaum mehr erschwinglich. Viele Bewohner teilen sich ihre Wohnungen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

Der Wettbewerb um eine Wohnung ist hart, schließlich sind da nicht nur die alten Bewohner, sondern auch Flüchtlinge aus anderen Landesteilen, bezahlte Oppositionskämpfer und die relativ gut bezahlten Angestellten der Hilfsorganisationen. Die hohe Nachfrage sorgt für extrem hohe Preise, beklagen Bewohner im Gespräch mit Syrian Voice.

Mohammed Saad al-Din ist 25 Jahre alt und frisch verheiratet, vor einem Monat begann seine Wohnungssuche. Er sagt: „Vor dem Zusammenbuch der Wirtschaft lag die durchschnittliche Miete zwischen 3000 und 5000 Syrischen Pfund.“ Das war damals zwischen 60 und 100 Dollar. „Heute findet man keine Wohnung unter 25000 Pfund“, erklärt er weiter. Das ist zwar umgerechnet in Dollar immer noch in etwa so viel wie zuvor, aber wegen der gewaltigen Inflation für die Bewohner vor Ort kaum bezahlbar.

Mohammed muss sich bei der Wohnungssuche in der Gegend auch gegen 3200 vertriebene Familien durchsetzen; viele von ihnen aus dem Dorf Qazhel und al-Waer, dem letzten von Rebellen kontrollierten Viertel von Homs. Das sei auch die Folge des umstrittenen Waffenstillstandsabkommens, das die Rebellen mit dem Regime abgeschlossen haben, erklärt ein Mitglied des Regionalrats.

Vermieter gegen Mieter

Abdelghuffar Ayoub, Inhaber eines Immobilienbüros in der Stadt al-Rastan, glaubt, dass die hohen Mieten nicht nur auf die hohe Nachfrage zurückzuführen sind. Es liege auch an der neuen, ungleich verteilten Kaufkraft der Suchenden; manche Kämpfer und Entwicklungshelfer könnten einfach mehr bezahlen.

Am schlechtesten geht es dabei den Flüchtlingen, die ihre Heimat und ihren Arbeitsplatz hinter sich gelassen haben und in einfachsten Flüchtlingsbehausungen des Roten Kreuzes und anderer Organisationen unterkommen. Abu Hayan al-Homsi verließ al-Waer nach dem besagten Abkommen, er sagt zu Syrian Voice: „Ich lebe mit meiner Familie in einem einzigen Raum in einer Notunterkunft. Früher war das ein Taubenverschlag, dann wurde es gereinigt und wir haben Betten und das Nötigste bekommen.“ Eigentlich wollte er nur kurz dort bleiben, aber er fand einfach keine Wohnung, deshalb ist er immer noch dort.

Ahmad Abu Qassim sitzt im Nachbarschaftsrat von al-Rastan, einer der Städte, die am härtesten betroffen sind von Überbevölkerung und hohen Mieten. „Der Regionalrat hat keine legale Handhabe, Preise festzulegen und durchzusetzen, oder die Vermieter zu kontrollieren“, sagt er zu Syrian Voice. „Die Möglichkeiten unseres Rats beschränken sich auch auf unser Wort, auf Appelle – mehr können wir nicht tun.“

Der Hausbesitzer Ayoub erklärt, dass er genauso leide wie seine Mieter, schließlich lebe er von deren Mieten. Schätzungen zufolge braucht eine Familie in Syrien monatlich 75000 Pfund (138 Dollar) zum Überleben. Die Lebenshaltungskosten im Norden der Provinz Homs bringen Familien oft dazu, sich eine Wohnung zu teilen. Dadurch steigen die Einwohnerdichte – und damit wiederum die Opferzahlen bei den beinahe täglichen Bombardements des Regimes.