Von Abdelhaq Hammam und Justin Clark (Übersetzung: Thore Schröder)

DAMASKUS: Über 2000 Menschen in Ost-Ghouta leiden unter akuten Lungenkrankheiten. Denn hier, in den von Rebellen kontrollierten Vororten der Hauptstadt, heizen viele Leute, indem sie Materialen verbrennen, die giftigen Rauch erzeugen. Das berichten Mediziner im Gespräch mit Syrian Voice.

Die landwirtschaftlich geprägte Gegend um Ost-Ghouta ist die größte Rebellenhochburg in unmittelbarer Nähe von Damaskus. Mit Unterbrechungen ist die Region seit 2012 von Regierungstruppen umzingelt. Weil es so schwierig ist, Treibstoff oder Brennholz dorthin zu schmuggeln, sind die Preise massiv gestiegen. Deshalb verbrennen viele der 450.000 Bewohner Müll, Plastik oder chemisch behandeltes Holz, um einigermaßen warm zu bleiben im kalten syrischen Winter.

Alaa Abdullah ist erst zwei Jahre alt, sie zog mit ihren Eltern vor drei Monaten aus der vom Regime kontrollierten Hauptstadt in den Vorort. Ärzte diagnostizierten bei ihr eine schwere Lungenentzündung. „Sie wurde im Winter geboren. Damals heizten wir auch mit Plastik, um das Haus warm zu bekommen. Der Arzt sagte, dass das der Grund für ihr Leiden ist“, erzählt ihr Vater Samer. Über 2000 Personen, die Hälfte von ihnen Kinder, wurden in den vergangenen drei Monaten mit einer Lungenentzündung oder Bronchitis diagnostiziert. Das geht aus den Aufzeichnungen der Krankenhäuser hervor. „Wir wollten nicht, dass sie wegen der Kälte krank wird. Stattdessen ist sie wegen des Rauchs krank geworden“, sagt Samer.

Gefährlich und ansteckend

„Die Belagerung und der Krieg sorgen für perfekte Bedingungen, damit sich Lungenkrankheiten verbreiten können“, sagt Dr. Muhammad Abu Salem, Arzt an einem Krankenhaus in Duma-Stadt, nördlich von Ost-Ghouta. Wenn Menschen Luft einatmen, die Schmutzpartikel enthält, entzünden sich entweder die Atemwege oder die Lunge selbst, sagt der Arzt. Weil außerdem die medizinische Versorgung in Ost-Ghouta sehr schlecht ist, sind solche Erkrankungen „eine ernste Gefahr“ für die Bevölkerung. Dr. Abu al-Yaser Abadeen, Kinderheilspezialist in Ost-Ghouta, erklärt, dass außerdem seit 2012 keine Impfungen mehr durchgeführt werden konnten. Zudem müssen Kinder immer wieder aufs neue fliehen, sie haben unbefriedigenden Zugang zu Nahrungsmitteln und leben oft auf engstem Raum mit anderen Familien zusammen. Optimale Bedingungen für ansteckende Krankheiten. Und wenn die erst einmal ausgebrochen sind, fällt die Heilung umso schwerer, denn seit Oktober 2016 ist kein einziger Hilfsconvoi mit Medikamenten mehr in Ost-Ghouta angekommen.

Das Krankenhaus von Dr. Abu Salem berichtet von 1800 Bronchitis-Fällen in den vergangenen zwei Monaten alleine in Douma-Stadt, 25 Patienten sind daran gestorben. Das Dar a-Schifa-Krankenhaus in Hamouria verzeichnet 819 Fälle bei Kindern unter fünf Jahren in den vergangenen drei Monaten; 274 waren nicht mal sechs Monate alt.