Übersetzung: Thore Schröder

Die erste Autoren-Messe in Qamishli, im kurdisch geprägten Norden Syriens, stand unter dem Motto „Lesen erweitert den Horizont menschlichen Denkens“. Die Veranstaltung fand in der vergangenen Woche statt und war ein Novum in der Region, die das Regime vor Ausbruch des Bürgerkriegs auch kulturell vernachlässigt hat.

Veranstaltet wurde die Messe von der Behörde für Kunst und Kultur der kurdischen Selbstverwaltung. Am 20. Juli, dem Eröffnungstag, wurde an „Herkules“ erinnert: den kurdischen Autor Hussein ash-Shawish aus der Gegend von Jazeera, der als Anführer bei den Kurdischen Volksverteidigungskräften (YPG) kämpfte, eine wichtige Rolle in der Kurdischen Arbeiter-Partei (PKK) spielte und dabei gleichzeitig als Autor und Komponist arbeitete. Seine Werke wurden während der Messe gefeiert, erklärt Berivan Qadr, Mitarbeiterin in der Behörde für Kunst und Kultur.

Dreizehn Kultureinrichtungen nahmen an der Messe teil, darunter die Union der Intellektuellen von Jazeera, die Syrische Kultur-Vereinigung, der Kurdische Schriftsteller-Verband, mehrere Verlage und Einzelpersonen. Die Organisatoren verlangten lediglich eine symbolische Teilnahmegebühr und kamen sonst für alle wesentlichen Kosten auf, erklärt Qadr.

Ihr zufolge wurden bei der Messe fast 20.000 Bücher gezeigt, darunter in Kurdisch, Arabisch, Aramäisch und Englisch. Berivan Qadr sagte, dass 90 Prozent der Teilnehmer aus den Kurdengebieten kamen.

Viele Besucher wünschten sich eine Verlängerung der Messe, was für die Behörde aber nicht umsetzbar war. Der Besucher Salah al-Din Muslim war eigens aus dem 320 Kilometer entfernten Ain al-Arab (Kobane) angereist. Er hält die erste solche Veranstaltung in Ruja Ava für bahnbrechend, obwohl seit 2012 in Syrien nur wenige Bücher auf Arabisch oder Kurdisch gedruckt worden sind. Trotzdem war die Zeit zwischen 2012 und 2017 eine Periode intellektueller Renaissance für die Region.

Über die Messe sagt Salah al-Din Muslim, dass sie „herausragend war und in der Zukunft Früchte tragen wird, trotz Druckfehlern und mancher schwacher Werke.“ Er findet: „Das ändert nichts an der Relevanz dieser Veranstaltung.“