Übersetzung: Thore Schröder

Die Menschen in der Provinz Idlib im Norden Syriens mühen sich, ihr Essen frisch zu halten, besonders in diesen heißen Sommerwochen, in denen die Temperaturen schon mal auf 40 Grad Celsius steigen. Seitdem die Provinz vor zwei Jahren von der Opposition erobert wurde, müssen die Bewohner mit systematischen Stromausfällen leben, deswegen besinnen sie sich auf die traditionellen Methoden ihrer Großeltern, um Lebensmittel frisch zu halten.

Kühlschränke werden nun als Schränke benutzt, was ursprünglichen Formen der Essenslagerung entspricht, die in Syrien als „Shaaria“ oder „Nimlyya“ bekannt sind. So wurden Schränke früher mit feinen, luftdurchlässigen Netzen abgehängt, so dass Insekten abgehalten und Schimmelbildung verhindert wurde. Eine andere Methode ist das Aufhängen von Lebensmittel in Luftzug. Auch Sonnentrocknung gehört zu den großmütterlichen Aufbewahrungstechniken, die in Idlib wieder genutzt werden. Speisen, die unbedingt gekühlt werden müssen, sind in der Provinz zurzeit kaum mehr erhältlich.

Das Prinzip der Trocknung ist einfach: Der Flüssigkeitsgehalt in Lebensmitteln wird so weit gesenkt, dass Mikroorganismen in dieser chemischen Umgebung nicht mehr leben können. Laut Dr. Riham al-Aagha, Biotechnologe und Ernährungswissenschaftler, muss der Flüssigkeitsgehalt in Gemüse auf vier bis sechs Prozent und in Früchten auf 20-25 Prozent gesenkt werden. Dem Experten zufolge, gibt es aber eine Menge Nachteile bei der Trocknung: der charakteristische Geschmack und auch ein Teil des Nährwerts gehen verloren. Außerdem kann sich die Farbe verändern. Die Haltbarkeitsdauer kann auch nach der Trocknung unter derjenigen bei Kühlung liegen, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Abdelrahman al-Taer, der in Kafr Oweid, im Süden der Provinz Idlib lebt, erklärt im Gespräch mit „The Syria Voice“, dass er seit nunmehr vier Jahren ohne Strom lebt. „Wir sind es gewöhnt, dass Essen schnell schlecht wird, vor allem Joghurt, Milch und gekochte Speisen, deswegen hängen wir vieles von der Decke auf, damit es sich länger hält.“ Das habe man in Syrien auch so gemacht, bevor es Kühlschränke gab.

CAPTION: Lebensmittel hängen, eingewickelt in Stoff, von einer Decke in einem Haus in der Provinz Idlib.

„Fleisch kochen wir und füllen es in Konserven, die wir versiegeln, damit hält es länger “, sagt al-Taer. „Aber die Möglichkeiten sind begrenzt, deshalb sind die meisten Familien dazu gezwungen, weniger zu kochen, etwa nur noch genug, für einen Tag, damit man keine Probleme mit den Resten bekommt. Das widerspricht aber den Gewohnheiten von Familien auf dem Land, die grundsätzlich große Portionen kochen, die dann mehrere Tage halten.“

Hussein al-Saed, der auch im Süden der Provinz lebt, sagt zu „The Syrian Voice“: „Dadurch, dass Nahrungsmittel schlecht gelagert werden können, wird vieles nur noch gemäß der jeweiligen Erntezeit gegessen; dabei sind es viele Syrer gewöhnt, Dutzende verschiedener Lebensmittel für den Konsum über das ganze Jahr aufzubewahren.“

Tatsächlich gibt es Alternativen zu importiertem Strom, der gegenwärtig die wesentliche Energiequelle in der Provinz ist, darunter Brennstoff-, Solar- und Windgeneratoren, aber für eine dauerhafte Versorgung der Haushalte in Idlib taugen sie alle nicht. Außerdem können sich die meisten Bewohner des Rebellengebiets die Geräte nicht leisten. Ein Reporter von „The Syrian Voice“ berichtet, dass ein Generator 300 bis 800 Dollar kostet; selbst damit könne man dann aber nicht den ganzen Haushalt versorgen und meist bloß fünf bis 15 Stunden täglich Strom erzeugen.

Basem Abu Ali, der im Energiesektor arbeitet, erklärt gegenüber „The Syrian Voice“, „dass alternative Energie nur ein Teil der Lösung ist, da auch dann nur einige Geräte versorgt werden können.“ Kühlschränke beispielsweise nicht länger als acht Stunden am Tag. „Aber das reicht nicht, um Essen haltbar zu machen.“

Abu Ali erklärt weiter, dass effizientere Kühlschränke in verschiedenen Größen nach Idlib importiert werden, was ein Teil der Lösung sein könnte. Diese moderneren Geräte verbrauchen lediglich ein Ampere pro Monat, so dass sie 15 Stunden am Stück laufen können. Bisher können sich aber auch das nur wenige Menschen in Idlib leisten.

Natürlich sind nicht nur die Haushalte von Familien und Einzelpersonen von der mangelhaften Stromversorgung betroffen, sondern auch Firmen, die mit tiefgefrorenen Lebensmitteln handeln. Sie brauchen nicht nur riesige Generatoren, sondern auch gewaltige Mengen an Strom um ihr Geschäft am Leben zu halten. Die Not der Firmen wirkt sich wiederum auf den Konsum der Verbraucher aus. Rami Abu Ahmad, ebenfalls aus dem Süden der Provinz, erklärt, „dass viele Geschäftsleute diesen Handel aufgegeben haben, weil es sich durch die hohen Kosten nicht mehr lohnt.“ Am schlimmsten betroffen seien Milch- und Jorghutproduzenten, weil sie Milch unter dem Marktpreis verkaufen müssen.

Vor dem Krieg war Syrien bekannt für seine Vorratsspeisen – darunter getrocknete Früchte, genauso wie gefrorene Bohnen und Erbsen – die auch ins Ausland verkauft wurden.