Reportagen

Pingpong in Homs: Sport in einem riesigen Gefängnis

Von Yarub Dali und Justin Clark (Übersetzung: Thore Schröder)
 
HOMS: Das erste Pingpong-Turnier in der Region Homs seit dem Ausbruch des Krieges war ein Zeichen: Der Sport soll zurückkehren in die belagerte Gegend.

„Die Teilnahmegebühr war zwar höher als das Preisgeld, aber ich wollte trotzdem mitmachen“, erzählt Abdullah al-Homsi, einer von 26 Sportlern. „Ich wollte einmal dem Krieg entkommen und wieder spüren, wie sich der sportliche Wettbewerb anfühlt.“ Das Turnier dauerte vier Monate, weil es im Austragungsort Rastan so oft von Luftangriffen des Regimes unterbrochen wurde.

„Man hat trotz allem den Spaß und die Aufregung gespürt, die Leute haben sich gefreut über die Herausforderung“, sagt Sheich Abu Bakr al-Kattib, Vorsitzender des örtlichen Scharia-Gerichts. Solche Veranstaltungen gebe es in Kriegszeiten viel zu selten, findet er. Dem Gemeinderat fehlt es an Geld, wichtiger seien der Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit, der Mangel an Nahrungsmitteln wegen der Belagerung und die Bombardierungen.

„Ein riesiges Gefängnis“

Rastan war einmal ein reicher Vorort von Homs und der syrischen Regierung eng verbunden. Nachdem einige ranghohe Armeemitglieder dort desertiert hatten, wurde die Stadt zur Rebellenhochburg. Seitdem haben schwere Kämpfe große Teile des Ortes zerstört.

Der nördliche ländliche Teil der Region Homs steht unter Belagerung des Regimes, was zu einem Mangel an allem möglichen führt: Arbeit, Lebensmittel, Deckung und vielem mehr. Immer wieder müssen die Bewohner Luftangriffe ertragen.

Trotzdem fanden sich junge Athleten zum Pingpongspielen. Hassan Abu Abdelkarim ist der Inhaber von Spotlight, dem Sportzentrum, in dem das Turnier stattfand. Der End-Zwanziger hatte es über Social Media und Mund-zu-Mund-Propaganda in Rastan und dem benachbarten Talbisa beworben.

Er ist stolz auf sein Zentrum, einem der wenigen solcher Orte in der belagerten Gegend. „Zunächst wollte ich nur Geld verdienen für mich und meine Familie. Aber jetzt ist daraus ein Ort geworden, wo sich junge Leute treffen“, sagt er zu Syrian Voice. „Das sind junge Menschen, die wegen des Krieges ihr Studium aufgeben mussten und nun keine Arbeit finden. Wir sind hier in einem riesigen Gefängnis, in dem die Menschen seit fünf Jahren nicht mehr richtig Sport mehr treiben und sich amüsieren konnten.“

Tatsächlich haben sich manche jungen Leute nicht gänzlich davon abbringen lassen. Der Bodybuilder Ali Abu Hadid zum Beispiel, der ein Fitnessstudio eröffnet hat. Er nahm extra einen Kredit auf, um Gewichte und Ausrüstung zu kaufen; heute hat er das Geld wieder eingenommen. Aber auch er sorgt sich, dass die Menschen den Sinn der körperlichen Ertüchtigung vergessen, wenn sie sich ständig um existenzielle Nöte sorgen müssen.

So lange es geht, will er weitermachen. Und auch Abdelkarim ist entschlossen, Spotlight weiter zu beleben; deswegen richtet er auch Schach- und Billardwettbewerbe aus.

Das Pingpong-Turnier war das erste seit Ausbruch des Krieges. „Aber sicher nicht das letzte“, verspricht er.

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