Übersetzung: Thore Schröder

Die Wirtschaft der Hauptstadt leidet unter sechseinhalb Jahren Krieg, das macht sich in jedem Lebensbereich bemerkbar. So ist zum Beispiel der Verkehr zu einem ständigen Problem geworden.

Privater und öffentlicher Transport ist teuer geworden für die Damaszener, viele, die weite Wege zurücklegen, müssen mehr als die Hälfte ihres Gehalts für ihre Fortbewegung aufbringen.

Die Regierung hat jüngst die Steuern für Autos und Fahrkartenpreise im Innern der Stadt erhöht, was für Dieselfahrzeug-Besitzer zehn Prozent Mehrkosten bedeutet, für Benziner-Besitzer gar 27 Prozent.

Viele Autofahrer weigern sich, das zu bezahlen; gleiches gilt auch für die Beschäftigten im Transportsektor, berichtet ein Korrespondent von The Syrian Voice. Das Regime hat eine schrittweise Erhöhungen der Transportkosten alle zwei Monate beschlossen – dabei aber keinen Weg aus dem Verkehrschaos aufgezeigt.

Die ständigen Verstopfungen der Verkehrswege sind auch auf immer mehr militärische Absperrungen zurückzuführen. Es ist so schlimm geworden, dass viele Bewohner mittlerweile lieber zu Fuß gehen oder Straßen benutzen, die eigentlich für Zivilisten gesperrt sind.

CAPTION: Gewohntes Bild: Damaskus während der Rush-Hour

Moataz al-Damashqi, er in einem Damaszener Restaurant arbeitet, geht schon seit langer Zeit lieber zu Fuß, um Geld und Zeit zu sparen und die Checkpoints zu vermeiden. Er sagt: „Ich laufe seit fast vier Jahren und brauche 45 Minuten pro Strecke.“ So wie ihm gehe es vielen Bewohnern der Hauptstadt, sagt er.

Moataz geht auch zu Fuß, um sich nicht den Launen und willkürlichen Preisen der Taxifahrer auszusetzen. In Jamarna – einem Vorort, der unter Kontrolle des Regimes steht – bezahlt man in der Regel 400 Syrische Lira (80 US-Dollar-Cents) für eine kurze Fahrt in der Gegend. Doch bei nur wenig längeren Fahrten werden schon mal 1000 oder 1500 Lira (zwei bis drei Dollar) fällig, abhängig vom Verhandlungsgeschick des Fahrgasts. Welche Faktoren sonst die Preisbildung bestimmen, weiß so recht niemand, sagt Moataz.

Eine weitere Möglichkeit, den täglichen Stau zu umgehen, ist die sogenannte „Militärlinie“, das sind Verkehrswege, die eigentlich Armeefahrzeugen vorbehalten sind aber durch Verbindungen zu Offiziellen oder einflussreichen Personen auch Zivilisten offenstehen.

Abd al-Rahman al-Shami, Stoffhändler auf dem Markt von al-Hariqa sagt zu The Syrian Voice: „Ich habe eine Karte, mit der ich mich frei durch die Stadt und auch durch die Checkpoints des Regimes bewegen kann. Das nennen wir ‚Militärlinie’.“ Doch über Details dieser „Karte“ oder ihre Laufzeit will der Händler nichts sagen. Sie sei weder von den Sicherheitsdiensten noch vom Militär ausgestellt worden, er habe sie „von einem guten Bekannten im Dienst des Regimes bekommen.“

Abu Ayhem, ein Gefrierwarenhändler, hätte ohne die ‚Militärlinie’ Kunden verloren, sagt er. Mit seiner ‚Karte’ kommt er ohne Zeitverschwendung durch die Checkpoints, an den andere Fahrer bei Durchsuchungen und der Überprüfung von Personalien viel Zeit verlieren.

Der Verkehr innerhalb der Hauptstadt ist eine Belastung für die Bürger, doch Reisen in andere Städte sind noch schlimmer. Die junge Frau namens Fadwa, die an der Universität Damaskus studiert, besucht zweimal im Monat ihre Familie in der Provinz as-Suweida, etwa 90 Kilometer entfernt im Süden des Landes. Sie leidet darunter, dass das Busunternehmen sich nicht an die Vorgaben der Regierung hält und höhere Preise für die Fahrten berechnet. Man müsse mit dem Geld schließlich alle Bediensteten, wie Fahrer, Sekretärinnen und Verkäufer, sowie die hohen Benzinpreise bezahlen, lautet das Argument.

Die Regime-Zeitung „Tishreen“ veröffentlichte vergangenen Oktober Statistiken, wonach nur noch 40 von einst 190 Bussen des Öffentlichen Nahverkehrs in Betrieb sind, außerdem seien von einst 7000 nur noch 5000 Service-Taxis (Minibusse) im Dienst, bei den Taxis sei die Anzahl sogar von 26.000 auf 10.000 gesunken.

Zu allen beschriebenen Verkehrsproblemen kommt noch das Problem der Überbevölkerung. Die Hauptstadt leidet auch unter dem gewaltigen Zuzug aus umkämpften Landesteilen, insbesondere aus den Provinzen Homs, Daraa und der Umgebung von Damaskus. Die Bombardements des Regimes treiben die Menschen in die Kapitale.